| << >> |
Montag, 07. Februar 2005 bis Freitag, 18. Februar 2005
Und die Arbeit auch in diesen Tagen eine Fortsetzung bei Ivan Brisotto. Wir haben einen Neuankömmling, nicht nur bei Herrn Brisotto, sondern auch auf dem Campingplatz direkt neben meinem Zelt. Er heißt Brad und ist 21 Jahre alt. Er ist ein schwieriger Typ, weil er unentwegt auf sich aufmerksam macht. Bei Ivan auf der Farm unterhält sich Ivan oft mit ihm, da er total einfallsreich ist. Ich gehe aber auf Distanz zu ihm. Als er mir in einer bestimmten Situation einen Befehl gibt, entgegne ich, dass er mir nix zu sagen habe. Das sitzt und das bekommen auch die anderen mit. Ich glaube, alle sind ein wenig von der Art Brads irritiert. Aber ich lasse mich nicht beirren. Mit derselben Leidenschaft :-) wie zuvor geht es ans Werk. Wir fegen halt Tag für Tag inklusive samstags die Bäume leer. Aber wir werden lange nicht fertig. Das Areal ist einfach zu groß, um es innerhalb von 3 Wochen leerzufegen.
Applethorpe, wo Ivan verweilt und Thulimbah, wo mein Campingplatz ist, sind ja nicht weit von Stanthorpe weg. Es ist trotzdem für mich immer eine halbe Weltreise bis Stanthorpe, da ich im Gegensatz zu vielen anderen Reisenden kein Auto habe. Witzigerweise ergibt sich oft die Möglichkeit mit Leuten vom Campingplatz mitzukommen. Dann werden die Tüten voll gemacht mit Lebensmitteln und der Rückweg angepeilt mit irgend welchen anderen Leuten, die man gerade trifft und die zufällig ebenfalls mobil sind. Da sind ja auch Lisa und Susi vom Campingplatz mit ihren beiden VW-Bussen. Sie treffe ich oft in Stanthorpe beim Parken irgendwo. Sie machen dann noch einen Abstecher zum Mc Donalds kurz vor Ortsausgang und dann geht's zurück. Die Atmosphäre in diesem Bus ist der Hammer. Ich denke, ich bin zurück in den 60ern gelandet. Susi hat 60er Musik und hat sich alles gemütlich im Heck des VW's eingerichtet. Sie schläft ja in ihrem Bus und Lisa natürlich auch in ihrem Bus. Naja, jedenfalls endet das ganze meistens nicht mit dem Absetzen auf dem Campingplatz, sondern oft sitzen wir noch einige Stunden zusammen, neben den beiden Bussen, wo sich die beiden ihr eigenes Reich aufgebaut haben. Von weitem kann man dann immer gut Autumn erkennen, wie sie zwischen Büro und Küche vermittelt. Entweder gibt sie ein Telefongespräch weiter oder sie reagiert auf irgendwas Vorgefallenes in der Küche. Dass das so chaotisch endet spät abends hängt entschieden mit den Leuten zusammen, die sich darin bewegen. Ich verstehe einfach nicht, wieso sie ihren Kram nicht wegmachen und danach sauber machen. Ist doch viel weniger Arbeit als das Kochen selbst.
Ich komme mit der Zeit auch Autumn und William Munson, den Campingplatzbesitzern, näher. Mit William verbinden mich seine Vorfahren, die wie er sagt, auch aus Deutschland seien. Also ist William auch ein bißchen ein Deutscher. Ich habe William oft beobachtet. Er fällt einem einfach auf wegen seiner mächtigen Statur und wegen seiner weiten Schritte, wenn er über den Campingplatz geht. Er sagt so nie viel. Auch wenn es sprichwörtlich brennt auf dem Campingplatz, weil irgendwelche Idioten wieder irgendwas verbrochen haben, verhält er sich entspannt und sagt kaum ein Wort. Man könnte meinen, er wird ziemlich schnell böse, wenn er einmal den Mund aufmacht. Doch wenn man es schafft, ihm menschlich zu begegnen, ist er sensibel und dadurch sehr zugänglich. Ich bin darüber sehr verwundert. Aber so sind viele Australier, die nicht unbedingt in der Stadt leben müssen.
Ivan wird am 16. die Entscheidung treffen, die Anzahl der Pflücker zu reduzieren. Ich sehe meine Tage bei Ivan gezählt. Ich habe jedoch jede Menge Initiativgeist in mir. So richtig unglücklich bin ich über einen wahrscheinlich anstehenden Arbeitgeberwechsel nicht. Mal sehen, was wird.
| << >> |