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Samstag, 04. Dezember 2004
Ich bin froh, als ich das Hotel am Morgen wieder verlasse in Gemas. Hier ist es mir zu laut an der Hauptverkehrsstraße. Gegen 11 Uhr bin ich weg. Ich ziehe zum Bahnhof, wo ich erfahre, dass der Zug nach Johor Bahru, der Grenzstadt Malaysias zu Singapur um 12.30 Uhr abfährt. Aber daraus wird nichts. Aufgrund von Gleisarbeiten ist das Gleis irgendwo unterbrochen. Aus diesem Grund ist der Zug frühestens um 15.30 Uhr in Gemas, um dann nach Johor Bahru weiterzufahren. Mich stört das nicht. Ich vertreibe mir noch die Zeit in Gemas. Dann ist es soweit.
Der Zug fährt um kurz vor 16 Uhr ein und ist dann auf einer holprigen Strecke mit etwas mehr als Schrittgeschwindigkeit (ich übertreibe) unterwegs ins 200 km entfernte Johor Bahru. Nach 3 Stunden haben wir schließlich unser Ziel erreicht.
Als wir in Johor Bahru einfahren, bin ich erstaunt, dass hier abends noch so ein Trubel herrscht.
Naja, im Angesicht zu Angesicht mit Singapur ist es nur klar, dass in Johor Bahru ebenfalls das Leben pulsiert.
Da hier überwiegend Großstadtmenschen beheimatet sind, gestaltet sich der Umstieg vom zuvor gelebten ländlichen Leben in das Großstadtleben Johor Bahrus als holprig. Aber es gibt auch hier zum Glück Straßenmärkte überall und so finde ich leicht eine leckere Mahlzeit für wenig Geld, die sehr gut schmeckt. Danach nehme ich mir vor, eine im "Rough Guide-South East Asia" empfohlene Adresse aufzusuchen: "Footlose Homestay". Dort ist das Nachtquartier günstig und die Atmosphäre so, wie es Rucksacktouristen gewohnt sind. Aber wo ist "Footlose Homestay"? Im Führer steht eine Straße dazu, die "Jalan Jemal" heißt, aber die ist nicht in der Innenstadt.
Ich frage einige Taxifahrer. Aber die können mir nicht weiterhelfen. Die kennen nur Hotels in der Innenstadt, die ich mir nicht leisten kann.
Also rufe ich den "Footlose Homestay"-Besitzer an und frage ihn, wo das ist. Beim ersten Telefonat versteht er nicht, was ich sage und ich verstehe nicht, was er sagt, was mich dazu bewegt, nach Alternativen in Johor-Bahru-City zu suchen. Aber es gibt keine günstigen Quartiere in der Innenstadt Johor Bahrus, nur ganz teuere, wie ich bereits erwähnte.
Also rufe ich den "Footlose Homestay"-Besitzer nochmals an und bitte ihn, mir entgegen zu kommen. Die Strasse sei die, die ich ihm nenne. Er scheint mich zu verstehen und sich auf den Weg zu machen mit einem Fahrrad.
Zufällig treffe ich einen Mopedfahrer, der das "Footlose Homestay" ebenfalls kennt und der bereit ist, mich mitzunehmen. Ein schöner gleichzeitiger Zufall. So sitze ich wieder einmal hinten auf einem Motorrad und muß verkrampft meinen rechten Arm ausstrecken, damit mein Riesen-Rucksack ebenfalls zum "Footlose Homestay" findet.
Von weitem sehe ich einen Radfahrer kommen. Ich glaube, das ist der "Footlose Homestay"-Besitzer. Ich bitte den netten Mopedfahrer anzuhalten. Der Besitzer winkt von weitem. Er scheint was mit meiner Person anfangen zu können. Ja, und dann ist er es tatsächlich. Ich verabschiede mich vom Mopedfahrer und gehe den Rest mit dem Besitzer zu Fuß zur Übernachtungsstätte. Die ist zum Glück etwas außerhalb und sehr ruhig gelegen. Kein Wunder, dass das kein Taxifahrer in der Innenstadt von Johor Bahru kennt, denke ich mir.
In der Übernachtungsstätte komme ich nach langer Zeit wieder einmal mit einem Deutschen in Kontakt. Er ist aus München und er erzählt, er habe vorher Indonesien besucht. Er meint, er sei in Jakarta gewesen. Die Menschen seien alle friedlich, ja hätten sich fast unterwürfig ihm gegenüber verhalten. Er habe an einer Demonstration mit Moslems teilgenommen und sich dabei einen Spaß mit einigen Demonstranten erlaubt. Ich denke mir, dass das ganz schön mutig ist. Er ist der Überzeugung, das die Leute in Jakarta einfache Leute seien, die keiner Fliege was zu Leide tun.
Ich halte es nicht mehr lange wach heute abend aus und so verschwinde ich wenig später in einem Mehrbettzimmer in ein Bett und decke mich wie immer bis oben hin zu, damit mir die Mücken nix anhaben können.
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