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Freitag, 24. Dezember 2004
Das Wetter ist heute morgen gut. Also wage ich den Aufstieg des Gunung Rinjani. Ich versuche es mit allem Gepäck, das ich habe. Es geht hinaus aus dem kleinen Dorf "Senaru" einen kleinen unscheinbaren Pfad hinauf. Ich kann in Pfadrichtung auf den Gunung Rinjani blicken. Das ist ja ganz schön weit oben. Naja, der Weg ist das Ziel. Vorbei geht es an Plantagen.
Es ist ruhig inmitten der Natur. Nach einem Kilometer mache ich eine Pause. Der Anstieg war bis hierhin schon relativ steil. Ich sehe eine alte Oma inmitten ihrer Hühner sitzen. Sie ruht sich gerade aus, denke ich mir. Vielleicht hat sie ja ein heißes Nasi Ayam für mich. Aber das ist leider kein Imbiß hier, sondern das zu hause dieser Oma. Ich setze mich einige Minuten neben sie. Ich erzähle ihr irgendetwas Nettes auf Englisch und gehe dann weiter.
Bei der Oma:
Der Weg wird immer steiler, je weiter ich vorankomme. Das ist wirklich anstrengend. Ich versuche den steilen Aufstieg mit kleinen Pausen zwischendurch auszugleichen. Als ich die dritte Etappe erreiche, bin ich mir sicher, dass ich es nicht schaffen werde. Ich kehre um, weiß aber, dass ich es probiert habe und auf jeden Fall nochmal probieren würde, wenn die Bedingungen andere sind. Aber ich bin so zufrieden. Es ist ein solcher Genuß, hier einen Weg gehen zu können, der nicht von der Aufmerksamkeit anderer Leute geprägt ist, die einem etwas verkaufen wollen. Der Ausflug hier den Berg hinauf ist ein echter Gewinn für mich, der mir zeigt, dass man außerhalb von Touristengebieten Ruhe finden kann, wenn man sie haben will.
Mit versteinerter Miene gehe ich die Strasse hinunter nach Anjar, 2km nördlich von Senaru gelegen. Die Leute an der Bushaltestelle in Anjar helfen mir nicht weiter, als ich sie frage, ob es von hier aus eine Busverbindung zurück nach Bangsal oder Mataram gebe. Etwas enttäuscht gehe ich so die Strasse in Richtung Bangsal zurück, von woher wir gestern kamen.
Einige Jugendliche folgen mir, da sie Rucksacktouristen ungewöhnlich finden. Ich mache ein Foto von ihnen. Das beruhigt sie etwas.
Eines kurzen Weges weiter werden Kioskbesitzer auf mich aufmerksam. Sie sind sehr freundlich und helfen mir dabei, den nächsten heranrollenden Kleinbus nach Mataram zu erwischen.
Die Fahrt in einem Kleinbus nach Mataram ist eine Erleichterung für mich. Dankeschön den Kioskbesitzern. Das war wirklich eine aufmerksame und zwischenmenschliche Geste, die so immer sein sollte.
Wir bewältigen den Weg von gestern nun zurück. Es wird dunkel. Wir quälen uns über Bergkämme. Das Licht des Kleinbusses ist schwach. Ich hoffe, er behält die Strasse im Überblick. Aber das tut er, bis wir gegen 20.00 Uhr wieder in Mataram eintreffen.
Mit dem Bus zurück nach Mataram
Heute ist ein besonderer Tag, auch hier in Mataram. Es ist Heilig Abend.
Als ich einige Schritte gegangen bin, werde ich auf eine Christmesse aufmerksam.
Diese ist stark bewacht von indonesischen Sicherheitskräften. Als Europäer
mit zwei Rucksäcken wirke ich harmlos auf die Polizisten und sie lassen
mich passieren. Am Zaun außerhalb der Kirche betrachte ich das Geschehen.
Es sind tausende von Menschen hier versammelt auf einem Campus der katholischen
Kirche. Sie singen "Kyrie Eleison".
Ich bete ein weihnachtliches Gebet und verlasse die Veranstaltung. Ich
suche erneut das Hotel "Melati Adiguna" auf und nehme mir dort
ein Zimmer. Nach einer halben Stunde gehe ich nochmal raus und trinke
ein Bier auf Heilig Abend hier irgendwo an einem Strassenstand. Das ist
schon ungewöhnlich, was alles so in kurzer Zeit passieren kann. Ja und
jetzt ist Heilig Abend. Jetzt ist erst Mal Entspannung angesagt die nächsten
Tage. Ich bin total erschöpft und falle völlig übermüdet ins Bett.
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