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Dienstag, 21. Dezember 2004
Das Frühstück im Hotel "Melati Adiguna" bekommt man zwar auf den schönen Tisch auf der Terrasse gestellt, aber da ich von weitem eine hübsche Frau sehe, die ebenfalls alleine auf der Terrasse frühstückt, verbringe ich das Frühstück zusammen mit Kadek. Sie ist 37 Jahre alt, kommt von Bali, geht in Mataram arbeiten und hat einen kranken Mann zu hause, für den sie sorgt, wie sie mir erzählt.
Ich erzähle ihr, woher ich komme und ich erzähle ihr stolz, was ich bereits hinter mir habe. Auch erzähle ich ihr von dem Weg, der noch vor mir liegt, also summasummarum nach Australien, so ja meine Vorstellung und demzufolge meine Erzählweise.
Mein nächstes Etappenziel ist der Norden der Insel. Dort ist der Gunung Rinjani, ein Vulkan. Das erzähle ich ihr auch. Sie empfiehlt mir die Unterbringung bei ihrer Schwester, die in Senaru ist, einem kleinen Ort direkt am Gunung Rinjani. Ich nehme den Tipp dankend an, weiß aber insgeheim, dass der Weg dorthin wichtiger ist, als das Quartier dort. Deswegen ist es eigentlich für mich nicht so wichtig, was ich in Senaru vorfinden werde.
Wenig später verabschiede ich mich von der netten Frau und packe meine Sachen, um erst zu einem Internetcafe und dann nach Ampenan direkt am Meer aufzubrechen.
Mein Hotelzimmer
In diesem Internetcafe kümmere ich mich um die Textdateien, die ich gestern beschrieben hatte. Wie ich es erwarte, enthalten die Textdateien von gestern abend keinen bösartigen Code mehr, nachdem ich sie hier abspeichere. So kann ich die Reisekurzfassung für das Internet wenig später bis auf weiteres abschließen.
Mit beiden Rucksäcken ausgestattet begebe ich mich zum Bemo-Hauptterminal in Mataram. Wer hier nach Orientierung sucht, der verliert sie hier vollständig. Das ist der Wahnsinn, was hier abgeht. Bemo an Bemo, Bus neben dem anderen Bus und jeder möchte mich als Fahrgast gewinnen. Ich mache mich aus dem Staub mit einem Bemo. Als sich unterwegs mein Gefühlszustand wieder stabilisiert, bin ich entschlossen, irgendwo am Meer Ruhe zu suchen. Und ich finde sie, hier in Ampenan. Hier gibt es zwar keinen Strand, aber eine schöne Mauer, auf die man sich schön setzen kann und von der aus man einen herrlichen Ausblick auf das Meer hat. Das Wetter ist schlecht. Der nächste Regen ist gerade im Anmarsch. Als es losgeht, stelle ich mich unter einen überdachten Terrassenbereich, dort wo sonst Strandimbißbetrieb herrscht.
Plötzlich kommen drei junge Frauen auf einem Motorrad angefahren. Sie steigen vor mir ab und setzen sich zu mir. Ich erzähle ihnen, wie begeistert ich von dem Wetter bin. Sie sind es auch, sagen sie mir, und das vollkommen ehrlich. Was ich bis jetzt nicht glaube, bewahrheitet sich aber, als der Regen richtig los geht. Voller Euphorie springen die Mädchen im Regen herum, als wären sie soeben geboren worden. Da mich der Hintergrund ein wenig interessiert, frage ich die eine, warum sie sich nicht unterstellen. Sie antwortet, dass es auf Lombok sonst immer sehr trocken ist. Die Leute hier genießen die Regenzeit. Sie halten sich zumeist draußen auf, wenn es regnet. Das finde ich erstaunlich.
Ich glaube, letztenendes muss ich auf diese Mädchen langweilig gewirkt haben. Ich war einfach zu sehr damit beschäftigt, das zu verstehen. Die Mädchen tanzen vergnügt, als ob es kein Morgen gäbe.
Dann, als der Regen aufhört, brausen die 3 auf dem Moped weiter dem nächsten Regen entgegen, wie mir scheint.
Ein Taxifahrer gesellt sich zu mir, um mit mir einen Tee zu trinken. Nach einem kurzen Austausch geht es für mich auch schon weiter am Ufer entlang an irgendwelchen Schrebergärten und Behausungen vorbei wieder auf eine Strasse.
Ich gehe über eine Brücke, wo mir Menschen mit Pferdekutschen entgegenkommen. Pferdekutschen sind offizielle Fortbewegungsmittel hier. Kutschenfahrer warten an bestimmten Stellen auf Fahrgäste, die sie sehr günstig befördern wollen.
Am Meer in Ampenan:
(Bitte auf das Bild klicken!)
Letztlich komme ich nicht dazu, eine Kutschenfahrt wahrzunehmen. Unbewußt denke ich, sowas ist ja eigentlich für eine Hochzeit gut, aber nicht, um ganz normal von A nach B zu fahren. Die Realität ist anders, wenn man hier ist.
Ich quartiere mich in "Losmen Homestay" ein. "Losmen" sind einfache Herbergen für die Einheimischen hier. Das Flair ist auch so. Männer, die hier vorübergehend arbeiten, oder die Freunde oder Verwandte besuchen, bleiben hier für ein paar Tage oder Wochen. Die Atmosphäre ist sehr entspannt. Überwiegend sind ältere Männer hier. Sie setzen sich vor ihr Zimmer an einen kleinen Tisch, trinken Tee und unterhalten sich mit dem Nachbarn. Zwischendurch gehen sie indonesisch duschen, das heißt hier "Mandi". "Mandi" ist ein ummauertes Gefäß, das vielleicht 30 Liter eiskaltes Wasser faßt. Auf der Mauer dieses Gefäßes steht ein kleiner Eimer mit einem Griff. Zum Duschen bedient man sich einfach dieses kleinen Eimers, nimmt kräftig Wasser aus dem Gefäß und schüttet es sich über.
Leider schaffe ich es nicht, mich mit den Männern zu unterhalten, da sie kein Englisch verstehen. Wir kommunizieren irgendwie anders, wenn wir uns sehen oder wenn ich mich irgendwo dazu setze. Das ist hier ganz normal. Jeder ist jederzeit willkommen, wenn er sich anständig verhält.
Mein Zimmer ist etwas abseits gelegen ein Stockwerk höher. Hier ist glaube ich keiner einquartiert. Ich lasse das Fenster offen, auch wenn es in Strömen regnet. Ganz in der Nähe ruft der Muezim zu Gebet. Das wiederholt sich hier zu festen Zeitabständen jeden Tag. Eine Stunde Ausruhen, dann gehe ich zur Hauptstrasse und passiere einige Stände mit leckerem Essen. Für eines entscheide ich mich dann, da es hier leckeren "Nasi Ayam" gibt. Die Mädchen, die mich bedienen, sind begeistert, da ich ständig einen Nachschlag möchte. Mich stört es nicht so sehr, dass die Autos in 1-Meter-Abstand an mir vorbeifahren. Als ich satt bin, gehe ich noch die Strasse hinab. Da sehe ich eine Bemostation. Ich denke, da werde ich morgen früh mal nachfragen, wie die Bemos nach Senaru fahren. Ich gehe zurück zum Quartier. Die Männer sitzen in einer Runde und gucken zusammen Fernsehen. Sie sind ernst, aber ich merke, dass sie meine Anwesenheit nicht stört, sondern im Gegenteil, ich fühle mich angenommen. Ich finde, die Männer hier sind auf eine natürliche Art und Weise sehr ausgeglichen. Ich setze mich noch eine Stunde dazu und gehe dann ins Bett schlafen. Hier habe ich wirklich feststellen dürfen, wie wertvoll es ist, wie die Männer hier, vollkommen ausgeglichen zu sein. Das hat man nicht oft und überall, insbesondere nicht auf Reisen, so wie bei mir gerade.
Ich lege mich schlafen.
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