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Samstag, 13. November 2004

Der heutige Tag besteht überwiegend aus Zugfahren. Sehr früh verlasse ich mein Quartier in Bangkok. Morgens um 6.00 Uhr ist die Welt auch noch in Ordnung hier. Es ist kaum jemand auf der Straße. Die Vorfreude auf Strand und Meer ist groß. Seit ca. 2 Jahren bin ich nicht mehr am Meer gewesen. Mit einem Tuk-Tuk geht es dann zum Thonbury-Bahnhof.

 

 

Vor der Weiterfahrt werden die Waggons von außen fein säuberlich geputzt.

 

Der kleine Junge macht richtig Rabbatz. Hier ist er noch ganz zahm, aber dann ...

 

... zack!

 

Der Zug startet pünktlich um 7.20 Uhr. Es ist einmal mehr 3. Klasse angesagt. Klasse 3 ist ein Abenteuer und man trifft auf sympathische Menschen.

 

Und ständig am schlafen, jaja, die lange Phase der Entspannung.

 

 

Und wieder wach.

 

Im Zug sind junge Thai-Frauen.

 

Sie sind wirklich liebenswert. Sie interessieren sich für mich und fragen mich, woher ich komme, was mein Beruf ist, wie alt ich bin, usw. Als Mann aus Deutschland ist es sehr schwer, diesem fernöstlichen Charme zu widerstehen. Ich lasse mir die Emailadresse und die Namen der Mädchen geben.

Sind wir nicht ein hübsches Dreierpärchen?

 

Die Landschaft wird zunehmend grüner, nicht mehr so urban, wie im Umkreis von Bangkok. Im Verlaufe der Zugfahrt komme ich mit einer netten Frau ins Gespräch. Sie erzählt mir, wie fantastisch hier die Orte am thailändischen Golf seien. Sie empfiehlt mir einen Aufenthalt in Ban Krud. Der Zug halte dort gegen halb drei nachmittags.

Ich lasse mich überzeugen und steige mit der Frau in Ban Krud aus. Hier werde ich schöne drei Tage in einem unscheinbaren Dorf am thailändischen Golf verbringen, dass zu dieser Zeit zumindest lediglich von thailändischen Touristen aus Bangkok frequentiert wird, die am Wochenende ausspannen wollen.

Am Bahnhof in Ban Krud lerne ich einen Deutschen kennen. Willi heißt er. Er verhält sich anfangs sehr zurückhaltend. Als ich ihn frage, ob er auch auf der Suche nach einem Gästehaus sei, zögert er, aber dann steigt er ein und fährt mit mir und der netten Frau aus dem Zug zu einem Gästehaus direkt am Meer.

Ich bin froh, der Empfehlung der Frau aus dem Zug gefolgt zu sein. Das Gästehaus liegt wirklich hervorragend, direkt am Meer. Es verfügt über einen Balkon mit Blick auf den Golf von Thailand. Auch Willi ist mir ins Gästehaus gefolgt. Wir sehen uns die Zimmer an. Der Inhaber der Herberge spricht kein Englisch, deshalb folgt ihm ein Franzose, der auch fließend thailändisch spricht.
Willi holt sich ein Zimmer. Ein Zimmer ist heute nacht nicht für unter 250 Baht zu haben. Deshalb entschließe ich mich, mir mal eine Nacht im Zelt zu gönnen. Ich überlege, das Zelt direkt am Strand aufzubauen.

Gegenüber des Gästehauses ist ein Kiosk. Hier sitzen oder hängen viele Jugendliche herum. Willi kommt runter an den Kiosk. Wir unterhalten uns. Der Franzose stößt wenig später auch dazu. Das wird ein Club der Europäer hier.
Willi meint, hier in Thailand sei es OK auf dem Strand zu zelten. Es ist ungefährlich. Im Süden Thailands, in Malaysia oder in Indonesien sollte ich nicht draussen zelten. Es sei dort zu gefährlich.

Willi und der Franzose waren unter anderem schon in Indonesien.

Willi erzählt, er sei schon oft mit dem Boot auf indonesischen Gewässern unterwegs gewesen. Einmal sei es geschehen, dass er auf einem Schmugglerboot gelandet sei, dessen Bootsführer von der indonesischen Polizei dann hopps genommen wurde, so Willi. Auch er sei kurzfristig verhaftet und vernommen worden. Er konnte jedoch nachweisen, dass er mit den Schmugglern nicht unter einer Decke stecke, so dass er dann wieder wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Der Franzose rät mir auch ab, auf irgendwelche nicht-staatlichen Boote zu steigen, falls ich in Indonesien vorhätte, von Insel zu Insel zu schippern. Es sei den Schiffsführern zwar ein Anliegen, so viel Leute wie möglich auf das Boot zu bekommen, aber sie rechneten in den seltensten Fällen damit, dass das Boot wegen Übergewichts kentern könnte. Deswegen hieße es, solche Angebote abzulehnen.

Alle ziehen sich zurück auf ihr Zimmer für den Rest des späten Nachmittags. Spät am Abend sehen wir uns im Kiosk wieder. Der Franzose übersetzt zwischen den Thais und uns.

Wir genehmigen uns noch einige Bier. Ein deutsches Pärchen stößt zu uns im Kiosk. Sie sind aus der Nähe des Ruhrgebietes. Erst kaufen sie was, dann kommen wir ins Gespräch, als ich sie anspreche. Sie sind 3 Wochen auf Urlaub in Thailand, sagen sie. Ich erzähle ihnen meine Geschichte und sie geben sich beeindruckt. So etwas würden sie auch mal gerne machen. Einfach drauf los, ohne zu wissen, wo man landet. Nach diesem schönen Abend gehen dann auch die Lichter aus am Kiosk und jeder legt sich schlafen, ich mit einem schönen Meeresrauschen im Hintergrund.

 

 

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