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Mittwoch, 24. November 2004
Heute ist mein letzter Tag in Thailand. Es ist noch sehr früh heute morgen. Deswegen breche ich ohne Frühstück auf. Es ist noch nicht so viel offen um diese Zeit. Unweit von hier an einer dicht befahrenen Strasse ist die Bushaltestelle, von wo aus der Bus nach Hat Yai zurückfährt.
Ich bin mir allerdings noch nicht so ganz sicher, ob ich mit dem Zug an die Ost- oder an die Westküste von Malaysia fahren soll.
Eine Präferenz habe ich jedoch: Die Ostküste, da es dort ursprünglicher zugeht. Leider ist der Weg dorthin mit Bomben gepflastert ist, da die Separatisten hier in jüngster Vergangenheit ihr Unwesen getrieben haben.
Mit dem Zug ist der Weg zur Westküste wesentlich weiter. Also entschließe ich mich, mit dem höheren Risiko zu leben und an die Ostküste Malaysias zu fahren.
Der Bus von Songkhla nach Hat Yai fährt gegen 7.45 Uhr ab. Die Busfahrt endet in der Nähe des Bahnhofs von Hat Yai. Mir ist es lieber während der Fahrt den Busfahrer zum Halten zu Bewegen, als ich den Bahnhof erblicke, als irgendwo rausgelassen zu werde, wo ich den Weg zum Bahnhof nur schwer finde. Ich steige also in Sichtweise zum Bahnhof auf einer dicht befahrenen Brücke aus. Um das Aussteigen anzukündigen, klopfe ich auf Metall und der Busfahrer weiß Bescheid.
Die dichtbefahrene Brücke

mit Blick auf die vielen Gleise unweit vom Bahnhof in Hat Yai

Und von unten

Bei einem Bahnbeamten frage ich nach, ob der Weg zur Ostküste Malaysias gefährlich werden könnte. Seiner Einschätzung nach ist es dort nicht so gefährlich, wie es scheint. Also hole ich mir ein Ticket von Hat Yai nach Sungai Golok in einem Dritte-Klasse-Zug.
Als nächstes gehe ich erst einmal unweit vom Bahnhof eine scharfe Suppe essen. Die Strasse an diesem Schnellrestaurant ist sehr belebt. Die Suppe ist sehr lecker.
Nach einer halben Stunde wird es dann Zeit, zum Bahnhof zurückzukehren. Ich mache mich zum Bahnsteig und warte dort auf den Zug.
Ich frage eine junge Frau, die englisch zu verstehen scheint, wie es in der Gegend vor Sungai Golok vom Gefahrenrisiko her ist. Ihre Antwort ist kurz und knapp: "Bumm!". Dann wendet sie sich ab. Na, toll!
Aber es gibt kein Weg zurück und ich steige in den Zug ein.
Die Leute verhalten sich sonderbar ruhig, anders als sonst. Zwischendurch passieren thailändische Militärangestellte mit Maschinengewehr das Abteil. Ohne die Militärbeamten sind mir auch ein paar schöne Bilder im Zug gelungen. Plötzlich denke ich über Ausweglosigkeit nach, wenn man sich in eine Risikosituation begibt. Aber, hey, es wird schon schief gehen. Ich komme mit einer netten Lehrerin aus Naratiwat ins Gespräch. Sie sagt, sie fahre ebenfalls in ein paar Tagen nach Malaysia. Ob ich sie dort treffen soll, überlege ich mir. Naja, die Zugfahrt geht weiter und nach anderthalb Stunden erreichen wir endlich Sungai Golok. Erleichterung macht sich bei mir breit. Hier einige Zugaufnahmen:
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Mir fällt auf, dass ist auch keine so ausgelassene Stimmung im Zug wie sonst. Nach einer Weile sind wir dann in Sungai Golok angekommen. Die Leute steigen mit Sack und Pack aus. Ich fotografiere noch ein verschleiertes Mädchen mit ihrem Freund auf dem Bahngleis
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und habe es dann eilig zur Grenze zu gelangen. Ein Mopedfahrer steht am Bahnhofsausgang schon bereit.

Ich setze mich hinten drauf und ab gehts zum 500 Meter entfernten Grenzübergang.
Als wir die 500 Meter hinter uns gebracht haben, steige ich ab mit Wehmut, da ich nun weiß, dass ich nun für einen unbestimmten Zeitraum Abschied nehmen muß von Thailand.
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Am thailändischen Checkpoint lasse ich nun meinen Pass zur Ausreise abstempeln und dann verschwinde ich über die Brücke zum Checkpoint von Malaysia.
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Vor mir sehe ich nun hunderte von thailändischen Mopedfahrern. Sie warten am Grenzübergang zu Malaysia auf die Erlaubnis, dort einreisen zu dürfen.
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Das Prozedere der Einreise nach Malaysia ist kurz. Ich fülle einen Infobogen über mich aus, gebe ihn der Beamtin. Daraufhin stempelt sie mir in meinen Reisepass, dass ich nun eine 3-monatige Aufenthaltserlaubnis in Malaysia habe. Ich bin darüber überrascht, dass ich gleich 3 Monate erhalten habe. Zuerst gehe ich einige Meter in Richtung Bushaltestelle. Ich bin nun in Malaysia!! Jippi!
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Aber da die Beamtin etwas undeutlich das Datum meiner Ausreisepflicht in den Reisepass geschrieben hat, gehe ich nochmal zurück und frage einen anderen sehr freundlichen Beamten, ob das tatsächlich seine Richtigkeit hat mit den 3 Monaten. Er bestätigt mir das, was mich überwältigt stimmt. OK, dann kann es ja weitergehen mit meiner Reise.
Malaysia kommt mir gleich wesentlich vertrauter zu meiner Heimat vor als Thailand. Die Buchstaben, die hier überall geschrieben stehen, sind nun wieder lateinisch. Aufgrund der ersten Sätze, die ich hier lese, komme ich mir ein wenig vor wie in den Niederlanden. Aber das ist auch nicht ungewöhnlich, wurde doch Malaysia bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von Europäern dominiert.
Jetzt gehe ich erst mal Geld wechseln.
Nach 20 Minuten kommt ein großer vollklimatisierter Bus, der mich in die nächstgrößere Stadt, Kota Bahru bringt. Die Fahrt ist nicht mehr mit einer solchen Rappelei verbunden wie in Thailand. Die Fahrt verläuft insgesamt ruhiger und vor allen Dingen mit geschlossen Fenstern. Außerdem wird hier nicht wie in Thailand der Rucksack in einen Stauraum des Busses geschmissen, sondern ich habe ihn bei mir stehen. Naja, es herrscht auch kein Platzmangel in diesem Bus. Also ist das auch vertretbar.
Nach 20 Minuten erreichen wir Kota Bahru. Es ist mittlerweile dunkel geworden. Ich bin total kaputt und sehe absolut keine Möglichkeit mehr, zu Fuß nach einem Quartier zu suchen. Also nehme ich mir vom Terminal aus ein Taxi. Der Taxifahrer ist nett und bringt mich für umgerechnet 5 Euro zu "Ideal Travellers House", einem ruhigen Quartier für Rucksackreisende etwa einen Kilometer entfernt vom Terminal. Ich bedanke mich und bin froh, nun in einem eigenen Zimmer die Erlebnisse des Tages verarbeiten zu dürfen. Es ist ja doch ziemlich viel passiert zwischen Songkhla und Kota Bahru.
Da das Gästehaus von Chinesen geleitet wird, wundere ich mich nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr über die Musik, die durch die Hallen hoch in mein Zimmer schallt. Sie hilft beim Meditieren.
Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat bis jetzt und danke dem lieben Herrgott dafür!!
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