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Montag, 18. Oktober 2004
Der Morgen fängt schon lustig an. Ich werde wach durch einen aufgebrachten Deutschen, der nebenan im Zimmer mit angestellten Damen des Gästehauses diskutiert..Er kann oder will wohl nicht sein Zimmer bezahlen. Sie fragen ihn, ob er verheiratet sei. Er sagt, er würde demnächst heiraten, und zwar eine Thailänderin höchstwahrscheinlich. Aber wie!
"Marry, marry, marry", so ähnlich gibt er den Mädchen das zu verstehen. Ich finde ihn zum Totlachen. Dann verläßt er Hals über Kopf das Zimmer. Es scheint, als habe er vorher das Personal von dem Pleitegeier überzeugt, der über ihm kreist.
Ich verschwinde eine halbe Stunde später nach dem Deutschen in der Absicht, den Zug nach Udon Thani zu nehmen. Ich nehme ein Tuk-Tuk zum Bahnhof. Ich stelle mich vor den Eingang in den Schatten und warte auf das Eintreffen des nächsten Zuges der Klasse 3 nach Udon Thani.
Während meiner Warterei laufen mir ein alter Rentner deutscher Herkunft und der Mann über den Weg, der aus dem Zimmer geschmissen wurde.
Der Rentner und ich gehen in dasselbe Abteil. Wie wir uns nun so gegenübersitzen, kommt es zu einem angeregten Gespräch. Der Rentner Willi, so heißt er, erzählt mir einiges über die Sitten in Thailand. Er selbst sei mit einer Thailänderin verheiratet. Seine Frau sei sehr hübsch, aber das Kind aus erster Ehe sei total blöd, wie Willi sagt. Willi ist übrigens 68 Jahre alt und möchte nicht so gern so ernst genommen werden, wie mir scheint.
Willi berichtet mir von einigen schlimmmen Erlebnissen in Thailand. Besonders einem schlimmen Erlebnis ist er besonders verhaftet. Ein Thailänder fuhr ihm mit seinem Motorrad von hinten auf sein Auto.
Sein Auto war ein Totalschaden. Zu allem Überfluß konnte der Thailänder aber auch nicht einmal die Zeche bezahlen. Diese Thais hätten alle kein Geld und bescheißen einen, wo es nur ginge, wie er sagt.
Er musste dann nachher die Zeche von seinem Auto und dem Schaden des Thais bezahlen. Er habe sich total darüber aufgeregt, wie er erzählt. Die Art und Weise, wie er mir das erzählt, ist total lustig. Er ist ein alter, rüstiger Rentner eben. Er bläßt hier kein Trübsal und das ist auch richtig, wie ich finde.
Die deutschen Sitten verkörpert er aber immer noch. Da können die paar Jahre, die er nun schon in Thailand lebt, nichts ändern.
Er kommt gerade zurück von einem Ausflug nach Laos, wie er mir berichtet. Das Land dort sei noch sehr ursprünglich, sagt er; nicht so überrannt wie Thailand. Die Frauen in Laos seien auch nicht so "verdorben" wie in Thailand. Na ja, er muss es ja wissen, denke ich mir.
Als wir in Udon Thani einfahren, läßt er sich noch über die Tochter erster Ehe aus. Die sei so blöd, sagt er. Wahrscheinlich würde es sie wieder überfordern, ihn vom Bahnhof abzuholen.
Als wir aussteigen, ist sie tatsächlich noch nicht da, doch nach einigen Minuten taucht sie plötzlich auf wie aus dem Nichts.
Willi ist total nett. Er fragt mich, wo ich als nächstes hin wolle. Ich sage, nach Phitsanulok. Das ist mit dem Zug von hier aus nicht so leicht zu erreichen, wie er weiß. Es sei besser, den Bus zu nehmen. Zusammen mit seiner Beinahe-Tochter gehen wir dann ein Stück zusammen. Dank Willi finde ich zum nächsten Reisebüro. Bevor ich mich dahin aufmache, verabschiede ich mich von den Beiden. Sie wünschen mir ebenfalls eine sehr schöne Zeit in Thailand. Ich weiß, dass ich die noch weiterhin haben werde.
Im Reisebüro angekommen, frage ich eine Frau am Computer, ob hier der Bus nach Phitsanulok abfährt. Leider sei ich bei ihr an der falschen Adresse, entgegnet sie mir. Ich müsse ein Tuk-Tuk nehmen und an einen Ort fahren, den sie mir auf einen Zettel schreibt.
Nachdem ich ein Tuk-Tuk gekriegt habe, gestaltet sich die Tour zum Busbahnhof wie immer als sehr Tuk-Tuk-abenteuerlich. Ich erinnere mich: Ich sitze hinten auf dem Tuk-Tuk. Wir fahren mit einem Affentempo durch die Strassen an den Randbereich von Phitsanulok. Es ist so angenehm warm. Der Busbahnhof liegt einige Kilometer außerhalb. Dort warten einige Menschen auf dem Bürgersteig oder auf Stühlen sitzend auf ihren Anschluß. Ich hole mir eine Karte in einem VIP-Bus nach Phitsanulok. Außerdem gönne ich mir eine Cola. Ich scheine gehetzt. Das legt sich aber nach und nach. Die Atmosphäre ist wie überall hier sehr entspannend. Ich lerne ein nettes Mädchen kennen. Sie sitzt neben mir auf einem Stuhl wartend auf den Bus nach Phitsanulok. Ich versuche sie anzusprechen. Doch die Sprache ist ein Hindernis. Sie kann nicht so gut Englisch und ich kann kein Thai. Als der Bus kommt und wir zum Einsteigen aufgefordert werden, versuche ich einen Platz neben ihr zu ergattern, was mir dann auch gelingt. Ich nehme mein Wörterbuch heraus und will einige Takte mit ihr sprechen. Ich kriege die Sätze nur wortweise heraus. Ich muss wirklich jedes Wort nachsehen. Sie erzählt mir, sie habe einen Freund in den Niederlanden wohnen. Dann schlage ich ihr vor, dass wir uns in Chiang Mai treffen, da ich dort wahrscheinlich hinkommen werde. Sie ist begeistert. Sprach- und Koordinationsprobleme werden einem Treffen aber letztlich im Wege stehen.
Der Bus setzt sich in Bewegung und wir rollen gen Phitsanulok. Es wird eine lange Fahrt werden, ca. 8 Stunden. Wir fahren in die Nacht hinein. Der Mond scheint hell. Die Strassen schmiegen sich durch gebirgige nächtliche Landschaften. Gegen 23.00 Uhr erreichen wir Phitsanulok. Der Bus fährt mit ihr weiter nach Chiang Mai.
Um diese Uhrzeit sind immer noch eine Menge "Transporteure" am Busbahnhof, um sich unmittelbar in den Dienst der Reisenden zu stellen. Ich nehme eine günstige Art des Transports in Anspruch: Ein Mopedfahrer nimmt mich auf seinen Rücksitz und ab geht es zum London Hotel etwa zwei Kilometer vom Busbahnhof entfernt. Um diese Uhrzeit ist immer noch jemand da; zum Glück. Die Inhaberin läßt mich hinein und ich nehme ein Einzelzimmer, welches mich 100 Baht die Nacht kostet.
Heute abend lerne ich auch noch einen netten US-Amerikaner kennen. Sein Name ist Ben. Wir unterhalten uns bei einem kühlen Bier über das Leben und die Liebe.
Ben ist nicht sehr alt. Ich schätze ihn auf Anfang 20. Bevor er seine Reise nach Thailand antrat, hatte er eine Freundin da, wo er herkommt. Sie haben sich getrennt. Das hat ihm großes Seelenleiden zugeflößt, wie er mir erzählt.
Er erzählt mir, dass es sehr wichtig sei, freundlich in Thailand und gegenüber den Einheimischen zu sein. Das gelinge, wenn man bestimmte Sätze spricht, sich mit beiden Händen zusammengehalten am Mund vorbeugt, wenn man sich bedankt und immer strahlt.
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