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Samstag, 30. Oktober 2004
Die Nacht ist kurz. Ich werde gegen 6.00 Uhr aus dem Bett geholt. Der Vermieter ist schon wach und weckt mich wie versprochen.
Er fuchtelt wie verrückt mit den Händen hin und her und zeigt mir damit, dass es bald losgeht. Trotzdem verstehe ich nur Bahnhof. Ich putze mir erst einmal die Zähne, mache mich fertig und dann gehe ich raus auf den Vorplatz. Nach einigen Minuten kommt der Quartierbesitzer mit seinem Pickup und bittet mich, hinten aufzusteigen. Es geht erst einmal hinunter ins Tal in den kleinen Ort. Dort sind bereits viele Leute, die den Verkauf am Grenzmarkt organisieren.
Der Quartierbesitzer arrangiert für mich eine Fahrt zum Grenzmarkt mit Leuten, die dort verkaufen. Da vorne alles belegt ist im Pickup der Leute, entschließe ich mich, hinten aufzusteigen. Nun sitze ich zwischen einer Riesenmenge von Bohnen und harre der Dinge, die da auf mich zukommen.
Es ist sehr neblig an diesem Morgen. Wir fahren die Strasse wieder hinauf an meinem Quartier vorbei hinunter in das andere Tal, wo ich gestern nachmittag auch schon gewesen bin.
Dort angekommen biegen wir links in Richtung thailändisch-laotischen Checkpoint. Der Weg dorthin ist unbefestigt. Dann hält das Auto an. Wir stehen inmitten einer kleinen Geschäftsmeile. Vor uns ist ein kleines Restaurant. Eine Frau steht draußen und kocht in einem Wok. Das zieht mich magisch an. Ich verabschiede mich von dem Fahrer und der Familie und gehe sodann ein leckeres asiatisches Frühstück mit Ei, Gemüse, Fleisch und Kaffee bestellen.
Leute packen hier schon einmal ihre Sachen aus. Dann scheint es soweit zu sein. Der Restaurantbesitzer zeigt ganz hektisch den Weg zum eigentlichen Markt, der nur ein paar Meter zu Fuß weit weg ist. Ich bin fertig mit dem Frühstück. Ich gehe sodann zum Markt. Ich erblicke den Grenzübergang. Alles ist ganz schön neblig. Da sehe ich sie dann kommen nach wenigen Minuten, die Menschen von Laos kommend. Sie kommen in Familien, haben Reis dabei, den sie auf dem Rücken transportieren. Auch haben sie sehr viele Kleintiere, Gemüse und Textilien dabei. Vom ersten Moment weiß ich, das sind ganz außergewöhnliche, weil auch sehr gewöhnliche Menschen. Ich gehe etwas in die Gegenrichtung. Dort verkaufen Laoten kleine Säuger, die Meerschweinchen zum Verwechseln ähnlich sehen. Diese sind zum Essen, nicht zum Liebhaben und stecken in Bambusrohren. Sie wechseln für 100 bis 200 Baht ihren Besitzer. Man sieht den Unterschied hier zwischen Thailändern und Laoten sehr gut.
Die Gesichtsform einiger Laoten habe ich so an Thailändern bis jetzt nicht beobachtet.
Bezüglich des Marktes haben Thailänder viel Elektronik und somit fortschrittliche Sachen im Angebot.
Laoten haben Naturprodukte in ihrem Angebot. Sie tragen diese mit sich
herum oder legen sie auf Decken aus. Außerdem verkaufen sie Selbst-mit-ihren-Händen-Erschafftes.
Ich habe fast Tränen in den Augen. Das ist es, was ich schon seit langem
gesucht habe. Wie ursprünglich und glücklich Menschen leben können, erfahre
ich hier das erste Mal in meinem Leben.
Ich kaufe von einer Laotin einen Schal. Andere Laotinnen nebenan haben Tabak und Knoblauch ausliegen.
| Bilder vom Markt |
Ich gehe in Richtung Grenzübergang. Der Himmel klart etwas auf.
Ich sitze unweit des Grenzübergangs und unterhalte mich mit einem
Jungen aus den USA. Er ist nach Thailand gekommen und lebt mit Mönchen
in einem Kloster. Er bringt ihnen Englisch bei, wie er mir sagt. Er hat
nun auch so eine Glatze wie ein Mönch.
Ich sage ihm, ich würde auch gerne mal über den Grenzübergang
gehen. Er meint, er hätte es probiert, aber sie lassen ihn nicht
rüber. Er verabschiedet sich kurzweilig von mir und verschwindet
mit einem Australier. Die Mönche, die er kennt, sind zwischenzeitlich
zu einem Abstecher nach Laos aufgebrochen. An diesem Grenzübergang
ist es nur möglich dass Thailänder und Laoten passieren, sonst
aus anderen Nationen niemand. Als alle weg sind, entschließe ich
mich, runter zum Grenzübergang zu gehen. Dort sitzen thailändische
Grenzbeamte. Ich erzähle ihnen, dass ich aus Deutschland wäre
und unbedingt mal einen Blick nach Laos erhaschen würde. Die Grenzbeamten
sind begeistert über diesen Versuch und dass ich Deutscher bin. Sie
schwärmen von deutschem Bier. Ja, sage ich, das ist unser Markenzeichen.
Sie lassen mich passieren, geben mir aber mit auf den Weg, dass ich nicht
weiter als 1000 m vor den Grenzübergang von Laos gehen soll, damit
die mich nicht sehen. Hocherfreut gehe ich nun den Weg. Das Wetter ist
wunderbar. Es scheint die Sonne. Die Straße ist sehr hügelig.
Einige Laoten gehen vor mir mit selbst gewebtem Korb auf dem Rücken.
Einige von ihnen schleppen auch Mitbringsel von Thailand, zumeist technische
Geräte, mit sich herum.
Als die Fahrbahnmarkierung aufhört, denke ich, ich sei im Niemandsland. Auf einer Anhöhe halte ich inne. Von hier aus kann ich die laotische Ebene umsäumt von Bergen sehen. Es ist traumhaft. Unweit, vielleicht 1 km unter mir sehe ich den Grenzübergang von Laos. Dort ist lediglich eine Schranke und ein kleines Häuschen. Dahinter ist ein kleines Dorf erkennbar. Es sieht aus wie ein Dorf im Wilden Westen. Es macht alles einen sehr bäuerlichen Eindruck. Die Strasse gibt es hinter dem Grenzübergang nicht mit Bitumen. Ich notiere in meinem Tagebuch, dass ich zurück gehe mit einem wahnsinnigen Glücksgefühl im Bauch, dabei auf die thailändischen Checkpointbeamten wieder treffe und mich mit ihnen über Deutschland, Thailand und die Probleme in Thailand unterhalte.
Ich sehe mich vor in dem, was ich von mir gebe, denke ich doch, ich könnte deswegen eingebuchtet werden. Ein kleiner Komplex von dem Polizisten in Nan haftet nach.
Die Leute sind aber unheimlich nett und hilfsbereit. Als ich von mir gebe, dass ich gerne bald aufbrechen würde, bietet mir ein Mann konkret eine Mitfahrgelegenheit an.
| Bilder an der Grenze |
Zuvor sitze ich noch zusammen mit dem jungen Amerikaner. Dieser hat sich zu einem Kaffee zurückgezogen mit einem Australier. Ich bestelle ebenfalls einen Kaffee, wohne der Unterhaltung der beiden aber nicht so lange bei.
Ich werde mit Leuten von Ban Huey Kon mitgenommen zurück zu meinem
Quartier. Dort packe ich meine Sachen zusammen, da ich den Lokalbus erwischen
möchte nach Nan. Der Bus fährt gegen 3 Uhr mittags vor meinem Quartier
ab. Kurz vor meiner Abreise unterhalte ich mich mit Herrn Sund Pon. Er
wohnt über dem Quartier, das ich bezog. Er ist bei einem Amt für
nationale Agrarangelegenheiten. Er hilft den Bauern, indem er ihnen Sachen
vermittelt in Kursen, wie er mir mitteilt. Ich schreibe ihm meine Kontaktdaten
in sein Buch und er gibt mir seine Handynummer und seine Festnetznummer.
Er ist begeistert. Wir verabschieden uns herzlich, als ich den Lokalbus
von weitem heranfahren höre. Im Bus sitzt der Australier, den ich
auch beim Grenzmarkt gesehen habe. Wir unterhalten uns ein wenig. Aber
interessanterweise habe ich zu diesem Zeitpunkt einen nicht so guten Eindruck
von ihm als Australier. Er erscheint mir als zu glatt. Er ist anders als
die Einheimischen hier.
Irgendwo in den Bergen auf der Fahrt zurück nach Nan.

Nach 2 Stunden Fahrt bin ich wieder in Nan. Ich beziehe wieder mein Quartier
im Nan Guest House. Hier lerne ich den etwa gleichaltrigen Christian und
seine Freundin aus Deutschland kennen. Wir verziehen uns nach draußen
und schlucken jeder noch ein Bier vor dem Schlafengehen. Christian ist
seit Monaten am Reisen. Er erzählt, wie er in Argentinien gestartet
ist, nach Neuseeland, Australien und schließlich nach Thailand reiste.
Aber er will noch weiter, wie er mir erzählt. Myanmar stünde
als nächstes auf seiner Liste. Er scheint ein Poet zu sein. Er hat
unheimlich gute Lebensweisheiten. Aber er fotografiert auch viel. Er ist
Grafikdesigner und empfiehlt mir seine Website unter www.terranatura.at.
Die Runde ist gemütlich und auch meine Geschichten hören er
und seine Freundin sich gerne an. Dann trennen wir uns und ich verschwinde
totmüde und nach dieser Tour erhabend ins Bett.
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