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Montag, 25. Oktober 2004

Heute verlasse ich Lampang, um nach Nan im Nordosten Thailands aufzubrechen. Ich begleiche die Hotelrechnung gegen 7.30 Uhr morgens und gehe die Strasse hinauf in Richtung Busbahnhof. Ich mache Zwischenstation in meinem Lieblingsrestaurant hier. Es gibt ein leckeres Frühstück mit Reis und Hühnchen. Im Anschluß gehe ich dann die Strasse weiter zum Busbahnhof, wie ich meine. Aber plötzlich habe ich Orientierungsschwierigkeiten. Wo war der Busbahnhof noch mal genau, frage ich mich.

Dann der rettende Zufall. Mir begegnet der Franzose von gestern wieder auf der Strasse. Er ist sehr hilfsbereit. Er nimmt mich mit in seinem Jeep zum Busbahnhof.

Am Busbahnhof erkundige ich mich dann, wann ein Bus nach Nan abfährt. Man sagt mir, dass es einen Bus nach Phrae gebe, der dann weiter nach Nan fahre. Der fahre gegen 15.30 Uhr ab. Ich frage, ob von Phrae ein Lokalbus nach Nan weiterfährt. Man bestätigt mir das. Also werde ich die nächsten 3 Stunden mit Warten und Essen gehen überbrücken.

Man muss dazu sagen, dass die Meinungen hier am Busbahnhof unterschiedlich sind. Es ist schwer, eine objektiv richtige Antwort an einem thailändischen Busbahnhof zu finden, ob ein Bus bspw. von Lampang nach Nan fährt. Trifft man nämlich auf einen Typen, der mit einer Busgesellschaft zusammenarbeitet, deren Busse bis Phrae fahren, dann ist es das Pech des Fragenden, dass er nicht jemanden von einer Busgesellschaft ausfindig machen kann, deren Busse, und seien es auch VIP-Busse, auf direktem Wege von Lampang nach Nan fahren. Man kann es rausfinden, keine Frage, aber dazu ist mehr Zeit und Ausdauer nötig. Statt Herumzufragen ziehe ich es vor, mich dem Trubel hier am Busbahnhof hinzugeben. Hier ist ein Trubel ohne Ende. Das erlebt nur der, der wirklich hier ist.


Busse kommen, Busse fahren. Mittendrin eine Menge Leute. Die einen wollen die Leute weiterfahren mit ihrem Transportmittel in die Innenstadt von Lampang, die anderen warten und sehen nur zu. Wieder andere sind am organisieren. Alle sind aber wirklich entspannt im ganzen, was sie tun. Das fasziniert mich unheimlich. Ich habe mittlerweile total vergessen, wie es bei mir zu hause zugeht. Ich sehe hier eine unheimliche Nähe zwischen den Leuten, eine unheimliche Gelassenheit. Mittendrin ist ein Pärchen aus Europa. Sie wollen auch einen Bus erwischen, sind aber ein wenig desorientiert. Nachdem sie sich zurechtgefunden haben und ihnen freundlich von einem Einheimischen assistiert wurde, finden sie den passenden VIP-Bus, der sie wahrscheinlich nach Chiang Mai bringen wird.

Mein Bus fährt ja erst gegen 15.30 Uhr ab. Genug Zeit also, ein leckeres Hühnchen oder sonst was irgendwo einzunehmen. Ich gehe die Strasse hinunter und finde an einer Kreuzung ein kleines Restaurant. Hier ist niemand zugegen. Hier geht es sehr gemütlich und sehr traditionell zu. Ich esse eine Suppe. Zwischendurch kommt die Freundin der Lokalinhaber zu Besuch und setzt sich ebenfalls, um eine Suppe zu essen. Die Suppe ist herrlich. Danach genehmige ich mir eine Mentholzigarette. Gegen 14.00 Uhr verlasse ich das Restaurant wieder. Auf einem Pickup kommt mir eine Gruppe von Menschen entgegen, die Spenden sammeln. Mit 20 Leuten oder so stehen sie dafür auf der Ladefläche und halten einen Spendenkorb hin bzw. brüllen durch das Megaphon und spielen Musik. An einer Kreuzung steigen sie ab. Ich nutze die Gelegenheit, um mit einigen von ihnen ins Gespräch zu kommen. Aber naja, wie? Sie sprechen ja nicht englisch, also signalisiere ich, dass ich was spenden werde. Sie sind sehr froh und tun mir dann auch den Gefallen, sich mit mir ablichten zu lassen.

 

 

 

 

Um 15.30 Uhr geht es dann tatsächlich los. Der große Rucksack landet mal wieder unten im Gepäckraum des Busses. Wir durchqueren ein total idyllisches Gebirge. Der Bus ist rappelvoll; bis wir schließlich ankommen ist es abends gegen halb sieben. Es ist so wunderschön. Die Sonne lugt vom Himmel herab. Phrae selbst ist zwar nicht sonderlich schön, aber ich freue mich hier zu sein. Bei der Fahrt mit dem Bus nach Phrae hinein geht die Sonne gerade unter. Ich informiere mich über die Weiterfahrt nach Nan. Aber da fährt heute abend nur noch ein VIP-Bus nach sieben Uhr irgendwann. Das ist mir dann doch zu spät und ich entschließe mich, in Phrae zu bleiben. Aber ich habe überhaupt keinen blassen Schimmer, wo hier ein Hotel sein soll. Ich marschiere also mit meinem Rucksack auf dem Rücken eine Gasse hinab. Da hält ein Mopedfahrer und will mich auf seinem Rücksitz mitnehmen. Mir ist das ganze etwas unheimlich, stecke ich doch in einer unbesiedelteren Ecke Phraes.
Aber er bringt mich tatsächlich dahin, wo ich hin muss. Zuerst zeigt er mir zwar ein Hotel mit 4 Sternen oder so und ich sage, nee, zu teuer, dann hält er an einem Hotel mit der Preislage um die 100 Baht. Genau das richtige für mich. So steige ich ab und sehe mir das Hotel ("Hotel Sawadeh") mal von innen an. Das Zimmer ist wie immer klein aber geräumig. Es gibt einen Ventilator, Licht und ein Fenster zum Hof, was will man mehr?
Nachdem ich alles abgestellt habe, gehe ich noch was raus und sehe mir die Umgebung an. Also, die Hauptstraße hinunter ist nicht so berauschend, wie ich finde. Also gehe ich woanders rein und mache tatsächlich einen Laden ausfindig, der fast ausschließlich Converse-Schuhe im Angebot hat.
Nachdem ich mir das angesehen habe, gehe ich weiter und lande schließlich in einem Lokal eines Inders. Ich setze mich an die Bar und trinke ein Bier.
Der Lokalinhaber gibt mir ein kleines englisches Buch, in dem was über einige indische Götter steht. Er sieht selbst aus wie ein indischer Gott. Ich gehe hinaus nach links. Ich gehe zum Nachtmarkt und kaufe mir Zigaretten. Hier wird noch leckeres Essen nachts verkauft. Ich bin aber schon satt. So gehe ich zurück zum Inder in die Bar, trinke noch ein Bier und gehe dann wieder zurück in mein Hotel. Das beste an dem indischen Barbesuch ist die Tür, die der Inder von rechts nach links schiebt, wenn er rein kommt bzw. raus geht: irgendwie typisch indisch, denke ich mir.

 

 

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