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Dienstag, 26. Oktober 2004
Auch in Phrae mache ich eine kleine Erkundungstour.

Ich finde es aber nicht so aufregend hier. Also nehme ich nachmittags den Bus nach Nan.

Die Fahrt nach Nan geprägt durch die Landschaft ist traumhaft schön.

Ich sehe Urwald, eine Menge Berge, dazwischen liegen viele kleine Ortschaften. Menschen tummeln sich an der Strasse herum.
Vor Einbruch der Dunkelheit komme ich in Nan an. Ich lerne Leo kennen. Er spricht mich an. Er kenne da ein gutes und günstiges Hotel. Leo ist ein total verrückter Typ. Er erzählt mir, er sei damals Unternehmer gewesen, der mit der Verlegung von Belüftungsanlagen in Einkaufszentren betraut gewesen war.
Leo hat lange Haare, ist etwas besoffen und meint durch seine Abfindung, (er hat sich frei gekauft mit 100000 Euro, wie er erzählt) reich und frei zu sein.
Ich bin mir jedenfalls nicht sicher, wo die Nacht das günstige Quartier für mich sein wird. Zuerst esse ich noch eine kleine Suppe mit Leo, dann gehts los. Leo zeigt mir eine günstige Unterkunft, das "Nan Guest House". Auf dem Weg zum Hotel gehen wir über eine Kreuzung. Dort sind wahnsinnig viele kleine Vögel auf den Leitungen. Ich fühle mich an "Die Vögel" von Alfred Hitchcock erinnert. Wir gehen durch eine kleine Gasse. Da kommt ein Hund, der heftig bellt. Mir wird klar, dass es abends echt gefährlich ist, hier an bellenden Hunden vorbei zu gehen. Die sind einfach aggressiver, wo sie doch tagsüber so zahm sind. Wir erreichen das Hotel. Abends, auch nach 21 Uhr, bekommt man noch ein schönes Einzelzimmer. Ich verabrede mich mit Leo noch auf ein Bier in einer Kneipe.
Ich lege meine Sachen gerade in mein Zimmer, mache mich noch etwas frisch
und dann gehts los mit Leo in die Stadt. Leo ist so ein verrückter
Vogel. Ich setze mich mit ihm in eine Kneipe. Wir trinken ein Bier. Ich
merke jedoch, dass ich etwas sparsamer werden muss. Wir treffen auf die
Bedienung, die uns das teurere Bier verkaufen will. Ich sage, "Leo"
reicht. :o) ("Leo" ist ein günstigeres wohlschmeckendes
Bier aus Thailand)
Leo freundet sich sehr schnell mit der Bedienung an. Da sitzen auch ein
paar Männer weiter hinten rechts. Es sind Polizisten, wie sich herausstellen
wird. Leo unterhält sich mit ihnen. Es wird ganz schön was gesoffen. Leo
trinkt lieber Whiskey. Die Situation wird lustiger, als er sich angeregt
mit dem Polizisten unterhält und beide herzlich lachen. Er sagt mir, ich
solle einen guten Eindruck bei dem einen machen, da er der Ranghöchste
rund um Nan sei.
Der "Ranghöchste" verwickelt mich dann in ein Gespräch, aber ich verstehe kein Wort. Er redet ständig Thai. Ich nicke einfach nur stumm. Leo ist am Lachen. Er übersetzt. Er sagt, der Polizist wolle, dass ich ihm einen blase, sollte ich das nicht tun, so stecke er mich ins Gefängnis. Ich bin schockiert. Leo schmeißt sich weg. Er rät mir, mich ebenfalls wegzuschmeißen. Ich sage Leo, er solle ihm sagen, dass ich das nicht wolle und ob es nicht eine andere Möglichkeit gäbe. Leo schmeißt sich darauf hin noch mehr weg vor Lachen. Er sagt, "take it easy", lach mit.
Ich tue dann so, als würde mich es amüsieren. Und tatsächlich, die Situation beginnt sich zu entkrampfen. Zum Schluss geben uns die Polizisten sogar noch was von ihrem Whiskey ab. Heidewitzka, ich bin froh, als ich da wieder draußen bin.
Leo geht mit raus. Er verabschiedet sich vorher noch langatmig von den Polizisten und den Bedienungsfrauen, die, wie sich herausstellt, die Freundinnen der Polizisten sind.
Ich gehe noch ein Stück mit Leo. Dann verschwindet er. Seitdem ist er für mich spurlos verschwunden.
Den Mut zur Heiterkeit auch in ernsten Situationen habe ich von Leo gelernt.
Ich verdächtige ihn jedoch, den Polizisten zu der Idee mit dem Blasen
angestiftet zu haben. Wie gesagt, Leo war ein verrückter Vogel.
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